NDR-Reportage mit Salama Salama, 2009

Vor etwa vier Jahren vollzog sich in Salamas bis dahin primär zeichnerisch ausgeprägtem Werk ein Wandel, gleichsam eine scharfe Zäsur. Ausgelöst wurde dies durch die direkten Begegnungen, die Beobachtungen und Erfahrungen während seiner europäischen Streifzüge. Salama hat sich von der minuziösen, detailreichen Zeichnung (Bleistift, Tinte, Aquarell auf Karton) entfernt zugunsten einer in Form und Farbe eher lapidaren, stark expressiven Malerei, die sich in die Richtung des Materialbildes entwickelt. Das Grundthema – Verlust des ganzheitlichen Weltbildes und des Einklangs von Mensch und Natur – ist geblieben, die Bindung an die Tradition in eine viel stärkere Spannung geraten. Vor eineigen Monaten entstand der Zyklus „Erinnerung“ auf 16 Tafeln. Die Rückbesinnung des Künstlers auf seine Jugend, von Heiterkeit und Ernst erfüllt, teilt sich dem Betrachter gewinnend mit. Das Kompositionsschema folgt dem Ablauf ähnlich einem Kinofilm. In die von Blau (zunehmend) und Ocker (entsprechend abnehmend) dominierte Grundfläche aus annähernd monochrom vermaltem Material (Sand, Leim, Acryl) ist jeweils ein Viereck farbiger Zeichnung auf Papier mit miniaturhaften Szenen, Figuren, Tieren, kalligraphischen Zeichnen eingefügt. Salama fügte gerne erfundene Symbole und Hieroglyphen zusammen. Manches erinnert an Paul Klee (Tunesische Reise), dem Salama neben Wassily zugetan ist. Weiterlesen...


Paul Theodor Hoffmann, Hamburger Abendblatt, Nr. 204, 31 August 1996.

Salama Salama

Was ist das beste für einen Menschen auf dem spirituellen Pfad?

  • Angeborene Freude
  • Und wenn sie fehlt?
  • Ein gesunder Körper.
  • Und wenn der nicht vorhanden ist?
  • Ein aufmerksames Ohr.
  • Und ohne das?
  • Ein wissendes Herz.
  • Und ohne das?
  • Ein sehendes Auge.
  • Und ohne das?
  • Ein plötzlicher Tod.
Abu Yazid Al-Bastami
Ich versuche

in der Kunst eine Möglichkeit zu geistigem oder seelischem Fortschritt oder einem Nutzen, wie in der Architektur, zu finden sowie Provokation und auch Sinnlosigkeit zu vermeiden. Vor einigen Jahren versank ich in Einsamkeit und Fremde und drehte mich in einem leeren Kreis wie ein Hund, der kein Spielzeug hat und vergeblich versucht, in seinen eigenen Schwanz zu beißen.Die bildende Kunst bedeutet für mich eine Illusion oder ein Abbild des tiefen inneren Zustandes.

Salama Salama

Farbenspiele

Eine reise am Roten Meer führt zu einer anderen Reise ins Innere. Dort treffe ich die Erinnerungen meiner Kindheit und Jugend. Viele Bilder mischen sich im tiefen inneren Zustand. Zeit und Ort lösen sich auf. Ich befinde mich an einem Ort im Süden Ägyptens; es ist das Dorf meines Vaters. Dort sitze ich in einer Runde von alten Männern, die Märchen und Geschichten über legendäre Pharaonen erzählen, über Großzügigkeit und Gastfreundschaft, über weise Männer und Heilige, deren Geburtstage mit mystischen Erzählungen, Gesängen und Tänzen gefeiert werden – Erinnerungen an den Donnerstagsmarkt, am Rande der Wüste, Gerüche und Geräusche, Kamele und streitende Viehhändler. Plötzlich taucht aus der Ferne die Stimme des Süßigkeitenverkäufers auf und mischt sich mit dem Rauschen des Meeres – Erinnerungen an den fröhlichen Höhenflug des Drachens am Strand von Alexandria. Im September 2001 begann ich eine Serie von Bildern in strahlenden und leuchtenden Farben zu malen, um meine Kindheitsträume in der Gegenwart zu erwecken. Ohne Vorgaben und Komplikationen ließ ich Farben und Phantasie spielen, die Erinnerungen, der Ausdruck und die Emotionen hatten eine gewaltige Intensität und Kraft, fast wie ein Vulkanausbruch. Es entstand eine Reihe von etwa 50 Bildern im einheitlichen Format von 70 x 110 cm. Die Bilder gestalteten sich wie von selbst – ein Eisbär geht in der glühenden Wüste spazieren, ein Falke, der mit seinem Baby tanzt, ein Baum mit goldenen Früchten, ein Fisch reitet auf dem Hahn, eine schwangere Kuh frisst die Strahlen der Sonne, ein Esel mit rosa Glocke, ein Schmetterling spielt mit dem Ibis, Mausebabys nuckeln bei der Katzenmama, Dattelpalmen, Türme von Moscheen und Kirchen.